Abnahme des Grenznutzens
Viel hilft viel und noch mehr hilft noch mehr. Richtig? Leider nein.
Sättigung führt zu geringerem Interesse an "noch mehr".
Jeder kennt das aus eigener Erfahrung: Ist man hungrig, ist ein einfaches Essen z.B. ein Butterbrot der höchste Genuss. Je satter man jedoch ist, desto weniger hat man Lust, zuzubeißen. Es müssen immer köstlichere Speisen angeboten werden, um einen noch zu ein paar zusätzlichen Bissen zu verführen.
Solche Phänomene lassen sich aus der Biologie (Sättigung), Marktwirtschaft (Marktsättigung), Volkswirtschaft (Grenznutzenschule) oder sogar Informatik herleiten.
Kennen Sie die "80 zu 20"-Regel (auch Pareto-Prinzip genannt)?
Auf den Grenznutzen angewandt bedeutet das: Am Anfang erreicht man mit wenig Aktion sehr viel. 80% des Effekts ist mit 20% Aufwand zu erreichen. Möchte man danach noch mehr erreichen, muss man sehr viel Energie investieren. Die restlichen 20% des Effekts benötigen 80% Aufwand.
Was heißt das z.B. für die Erhöhung des Einkommens?
Natürlich, dem „Reis-Träger in der dritten Welt“, der sich von Tag zu Tag abarbeitet und dennoch nicht weiß, wie er die Medizin für seine kranken Kinder bezahlen soll, hilft bereits die kleinste finanzielle Verbesserung. Erstaunlich, was man mit nur 5 Euro im Monat über eine Kinder-Patenschaft erreichen kann (z.B. hier). Jedes bisschen „Mehr“ an regelmäßiger Nahrung erhöht in signifikanter Weise den Lebensstandard in Hungergebieten. Überall dort, wo die Existenz bedroht ist, ist die Bewältigung der akuten Probleme wichtiger als Optimierung.
Aber wie steht es mit uns in der ersten Welt, in der gesellschaftlicher Erfolg durch das jährliche Wirtschaftswachstum gemessen wird, wo Käse-Theken 10 Meter lang sind? Dort, wo Wohlstand so reichlich vorhanden ist, verliert er an Bedeutung und Wert, es gleicht geradezu einer Wohlstandsinflation.
Und hier, bei der Bewältigung der Probleme auf wesentlich höherer Ebene, hört Existenzsicherung auf und setzt die Glücksforschung an.
Eine Erhöhung meines Monatseinkommens von 1000 Euro auf 1200 Euro führt zur wesentlichen Steigerung meiner Möglichkeiten der Grundversorgung (Krankenkasse, Nahrung, Wohnen usw.). Aber eine Steigerung von 10.000 Euro auf 12.000 Euro hat in der Regel einen wesentlich geringeren Effekt auf unseren Lebensstandard. Je weiter wir uns über dem Existenz-Minimum bewegen, desto geringer ist der Grenznutzen für uns (siehe Chart von oben).
Daher ist der Gewinn, den wir aus dem Glück der Werbeanzeigen ziehen, immer geringer, je besser es uns geht.
