Sozialer Vergleich
Auch wenn wir genießen könnten, was wir haben, verderben wir es uns mit dem Blick zum anderen.
Der Mensch ist ein soziales Wesen. Daher spielen soziale Vergleichprozesse eine wichtige Rolle.
Seit den 50er Jahren beschäftigt sich die Sozialpsychologie und Pädagogik intensiv mit Vergleichprozessen. Sie kommen z.B. zu dem Schluss, dass soziale Vergleiche um so häufiger angestellt werden, je weniger objektive Informationen zur Verfügung stehen und je weniger Selbstbewusstsein eine Person besitzt.
Vergleiche sind vor allem im Jugendalter notwendig, um die eigene Identität zu formen. Eltern, aber auch die Freunde des Jugendlichen (peer group) sind dabei entscheidende Einflussfaktoren. Welche der beiden Sozialbeziehungen wichtiger ist, darüber gehen die Meinungen der Psychologen und Soziologen auseinander.
So nützlich soziale Vergleiche auch sind, sie treiben häufig irrwitzige Blüten. In Experimenten konnte gezeigt werden, dass die Personengruppe, der sich ein Mensch zugehörig fühlt selbst dann bevorzugt wird, wenn man die einzelnen Mitglieder nicht kennt oder persönlich Nachteile durch sie erfährt. Andere Studien zeigen, dass sogar die persönliche Wahrnehmung durch verstärkten sozialen Druck verändert werden kann. In diesem Fall übernimmt der Mensch die Meinungen der anderen und hält sie für seine eigene Wahrnehmung – beispielsweise wenn es um das Erkennen von Farben oder Längenlinien geht.
Das könnte Ihnen nicht passieren? Aber vielleicht gibt es in
Ihrem Leben auch einige Beispiele, in denen Sie etwas gegen Ihre
Überzeugung gesagt haben, nur um in einer Gruppe gut da zu stehen? Das
wäre ganz normal.
Soziale Vergleiche führen leider auch dazu, dass für viele Menschen eine Gehaltserhöhung an Wert verliert, weil ihr Kollege noch mehr Geld bekommen hat. So empfinden sich sozial schwache Gruppen in Deutschland als arm, obwohl Sie aus Sicht eines armen Menschen in Entwicklungsländern alles zum Leben haben und glücklich sein müssten.
Wie wichtig das Gehalt der anderen im Vergleich zum eigenen ist,
belegt eine Studie der Harvard School of Public Health: Die
Studentinnen und Studenten hatten zwei Wahlmöglichkeiten: Ein
virtuelles Gehalt von 50.000 Dollar zu akzeptieren, während die
Kolleginnen und Kollegen die Hälfte verdienten – oder aber 100.00
Dollar zu wählen – in diesem Fall verdienten die Kolleginnen und
Kollegen allerdings doppelt so viel. Die meisten Teilnehmerinnen und
Teilnehmer entschieden sich für das geringere Gehalt (50.000 statt
100.000 Dollar) – weil es im Verhältnis zu ihren Mitstreiterinnen und
Mitstreiter doppelt so hoch war.
Das zeigt deutlich: Der Vergleich mit dem, was andere haben, kann schädlich für einen selbst sein.
Es gibt immer andere, denen es besser geht, die schöner, gesünder, beliebter oder schneller sind. Sind wir auf diese neidisch, zieht es uns auf unserer Glücks- oder Zufriedenheitsskala nach unten.
Wie man die negativen Effekte von sozialen Vergleichen überwinden kann, sehen Sie hier im Bereich Training.
