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Braucht man Unglück um Glück zu empfinden?

 

Oftmals hört man die Ansicht, dass Glück nur der wirklich empfinden und schätzen kann, der tiefes Leid erfahren hat. Ist das richtig?

Nach Ansicht der GlücksAkademie ist dies nicht zutreffend. Man kann mit oder ohne Krisen zu einem glücklichen und zufriedenen Leben finden.

 

Unglück überfällt uns einfach und muss durchlebt werden.

 

Durch Fehlschläge lernen wir. In Kindheitsphasen können das Meilensteine in unserer Entwicklung sein.

 

Durch die Bewältigung von Krisen kann man zu wertvollen Lebenserfahrungen gelangen. Unzählige Lebensgeschichten zeigen, dass erst durch eine Krise das Umdenken und der Bezug zum Leben erreicht wurde.

 

Aber fangen Sie bitte jetzt nicht an, Krisen zu erzwingen. Sie können auch ohne verheerende Tiefschläge Lebenszufriedenheit erreichen.

 

Bei dieser Frage hilft uns die Gehirnforschung (ein Teil der Neurowissenschaften) weiter.

 

Glück und Unglück sind unterschiedliche Vorgänge im Gehirn. Sie beeinflussen sich gegenseitig, können aber auch unabhängig voneinander und sogar parallel ablaufen.

 

Das Emfinden von positiven Reizen (wie z.B. etwas Süßes) wird v.a. in der linken Hirnregionen verarbeitet, negative Reize und Emotionen eher in der rechten.

 

Die Biochemie unterscheidet sich ebenfalls. Bei positiven Emotionen sind zum Beispiel Oxitocin oder Endorphin beteiligt, bei den negativen wie Stress sind es unter anderem Acetylcholin oder Cortisol.

 

Das passt auch sehr gut aus Sicht der tendenziellen Arbeitsteilung des Gehirns. Die rechte Gehirnhälfte ist eher auf parallele Bearbeitung einer Unmenge von Reizen ausgelegt, beziehen sich häufig auf unmittelbares Handeln. Da trifft es sich gut, wenn dort unmittelbare Vermeidungsreaktionen durch negative Gefühle ausgelöst werden. Die linke Gehirnhälfte ist eher auf serielle und logische Prozesse ausgelegt. Hierzu gehört auch zukunftsorientiertes Handeln, um positive Emotionen zu erzeugen.

 

Die Vermutung, dass man Unglück braucht, um Glück schätzen zu können, kommt sicherlich auch aus der Lebenserfahrung. Wer Unglück erlebt, bekommt einen (kurzzeitig) veränderten Blick auf das, was "normal" ist. Das Normale alleine wird bereits zum schätzenswerten Glück. Warum das so ist, zeigt der Abschnitt "Anpassung".

 

Was wäre aber, wenn man den Normalzustand als Basis nimmt? Schon aus diesem Vergleich kann man Glück schätzen lernen und braucht kein Unglück als Maßstab.

 

Zudem geht es um die Kunst, den Augenblick zu genießen. Das Normale wird durch eine veränderte Aufmerksamkeit zum Besonderen.

 

Zusammengenommen lässt dies den Schluss zu, dass man (mit einigen Einschränkungen) Glück auch ohne Unglück empfinden kann.